Dirk van Betteray, Köln
Semiologische Forschung retrospektiv und prospektiv
Ausgehend von rein musikalischen Phänomenen wurden die Lehre von der Neumenartikulation sowie die Modologie und der semantische Zugang zu den gregorianischen Melodien entwickelt. Darauf aufbauend konnten Neumen als graphischer Niederschlag der Klangwerdung eines Textes verstanden werden. Ziel der künftigen Forschung wird sein, diese Interpretationen auf die Grundlage einer exegetisch-liturgiegeschichtlichen Analyse zu stellen und eine Interpretation des Chorals auf der Grundlage patristischer Theologie zu betreiben. Darüberhinaus wird sich künftige Forschung vermehrt um die kontextunabhängige Funktion der Neumenzeichen bemühen mit einem vermehrten Austausch mit anderen musikwissenschaftlichen, theologischen und historischen Forschungen. Künftige Forschung wird weiter ausführen, dass gregorianischer Choral schon von Anfang an den örtlichen Gegebenheiten angepasst wurde. Sie wird so noch evidenter zeigen können, dass gregorianischer Choral klingende Theologie ist.