László Dobszay, Budapest
Das klassische Proprium Missae wurde – von wenigen lokalen Varianten abgesehen – seit dem 7. Jahrhunder bis hin zur jüngsten Liturgiereform weitgehend einheitlich und konstant tradiert. Das Proprium ist ein bedeutsames integrales Element der Liturgie in Hinblick auf deren theologische Inhalte, sein Fehlen bedeutet einen gravierenden Verlust an Aussagekraft der Messe. Das Proprium basiert auf den Prinzipien der patristischen Schriftauslegung, vor allem der Interpretatio christiana des Alten Testaments. Obschon das Proprium mit etlichen Veränderungen nach 1970 fortbestehen könnte, ist es tatsächlich größtenteils aus der Liturgie verschwunden durch die Erlaubnis, mit einem „passenden anderen Gesang“ Propriumsteile zu ersetzen. Dies hat zu großen Schäden und Missbräuchen in der liturgischen Praxis geführt, was nicht im Sinne der Liturgiekonstitution ist. Die Entwicklung der liturgischen Musik ist aufs Engste mit der Entwicklung des Propriums verbunden, Auswege aus der heutigen Krise sind mit großen Anstrengungen und einer Vielzahl akkordierter Maßnahmen möglich. Eine Reform der Reform ist notwendig.