Johannes Röser, Freiburg im Breisgau
Die neue Frage nach Gott
Glaubensprobleme – Glaubenssehnsucht

Erleben wir eine Wiederkehr der Religion? Die weltweit am stärksten wachsende „Glaubensgemeinschaft“, weit über das gewöhnliche Bevölkerungswachstum hinaus, ist die des Atheismus, der Glaubenslosigkeit. Nach Christentum, Islam und Hinduismus bildet sich hier bereits die viertgrößte „Weltreligion“ heraus.

Auch Christen haben ihre Not mit Gott, verursacht vor allem durch die sensationellen Erfolge einer aufklärerischen, empirischen Naturwissenschaft, die belegt, wie das Universum und das Leben ganz ohne Gottes Eingreifen funktionieren. Dennoch haben die Menschen eine gewisse Ahnung, dass es Gott geben könnte, nicht aufgegeben. Es entwickelt sich eine andere Art der „Volks“religiosität – vorsichtig, distanziert gegenüber allen Behauptungen über Gott. Gott ist der/die große Unbekannte. Manchmal glaubt man, manchmal nicht. Wir haben es da mit einer natürlichen „negativen Theologie“ neuen Typs zu tun, sehr individuell, abhängig vom eigenen inneren Erleben und Erkennen.

Vor allem vier Welterfahrungen sind es, die heutige religiöse Neugier begünstigen: die Rätsel der Wissenschaft, die Freude des Menschen am Feiern, die Lust des Sexuellen und die Tragödien von Leiden, Krankheit, Ungerechtigkeit und Tod. Die Zukunft des christlichen Glaubens und der Kirche hängt davon ab, sich auf diesen Feldern einer offenen Wahrnehmung zu öffnen.