P. Peter Spichtig OP, Fribourg
Mit „La Suisse n’existe pas – Die Schweiz existiert nicht“ war 1992 der Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Sevilla angeschrieben. Darin ist nicht etwa eine dadaistische Laune des Schweizer Künstlers Ben Vautier zu sehen. Eher kann das vieldiskutierte Wort als ein provokatives, selbstkritisches Label einer multikulturellen Willensnation verstanden werden, die sich immerfort neu zusammenraufen und -debattieren muss.
Auch für das hier gestellte Thema der liturgischen Bildung ist diese Tatsache im Auge zu behalten. Kirche ist eine inkarnierte und also inkulturierte Realität. Die politisch, kulturell und konfessionsgeschichtlich geprägte Mentalität der Schweizer wirkt sich somit zwangsläufig auch auf die Art und Weise aus, wie man hierzulande katholisch „tickt“. Das muss zuerst, in gebotener und karikierender Kürze, angedeutet werden, um die Situation auch der liturgischen Bildungsarbeit in diesem Land richtig zu verstehen.