Ausgehend vom Phänomen der Stille, aus welcher Musik hervorgeht, und von Luthers Theologie der Musik als einer Schöpfungsgabe wird die besondere Bedeutung des Hörens für ein Verstehen der Musik entfaltet. Das „spekulative Ohr“ ist das Organ für das Illuminationswerk des Heiligen Geistes. Am aus der Antike herkommenden Streit zwischen Argus und Pan, zwischen dem Sehen und Hören, wird deutlich, warum Luther die Ohren als die organa christiani hominis bezeichnet und wie diese Erkenntnis heute in eine Synästhesie der Sinne eingebracht werden kann. Diese ereignet sich beispielhaft im Singen, wo das Ohr zum Mund, zum Atem des Lebens, also ganz körperlich und die Musik zur Doxologie wird.