Wort zu diesem Heft

Am 27. Juni dieses Jahres starb in Trier der über die Grenzen des deutschen Sprachraumes hinaus bekannte Liturgiewissenschaftler, Professor Balthasar Fischer. Andreas Redtenbacher CanReg, Redaktionsmitglied unserer Zeitschrift, zeichnet wichtige Stationen seines Werdegangs nach und würdigt die Verdienste des Verstorbenen.

Die Beiträge in diesem Heft befassen sich mit Fragen zum liturgischen Kalender bzw. streifen thematisch das durch den Kalender geordnete Kirchenjahr im weitesten Sinn, z. T. werden auch Fragen des kirchlichen Brauchtums berührt.

In seinem Artikel "Inmitten der Zeit" untersucht Wolfgang W. Müller, Privatdozent an der Theologischen Fakultät der Universitären Hochschule Luzern, interessante Aspekte bezüglich der Stellung des Kirchenjahres in der Moderne. Die Spannungen zwischen dem modernen Zeitempfinden und der überlieferten Gestalt des Kirchenjahres sind auch für die liturgischen Feiern relevant und stehen im Mittelpunkt seiner Ausführungen. Auf dem Hintergrund einer liturgietheologischen Skizze des Kirchenjahres, deren Zentrum die Heilsgeschichte in ihrer christologisch-soteriologischen Qualität als ‚Fülle der Zeit‘ bildet, geht der Verfasser unter anderem auf die Bedeutung des Liturgischen Jahres als Korrektiv und als Propädeutik des Glaubens ein.

Die Frage nach einem gemeinsamen Ostertermin für alle christlichen Kirchen hat in den letzten Jahrzehnten zunehmende Bedeutung und Dringlichkeit im ökumenischen Gespräch erlangt. Philipp Harnoncourt, em. Professor für Liturgiewissenschaft in Graz, zeigt in seinem Beitrag Ursachen auf, warum es im Laufe der Geschichte zu unterschiedlichen Osterterminen gekommen ist und schildert die derzeitigen Schwierigkeiten, diese Differenzen zu überwinden. Ebenso beschäftigt er sich mit der Frage, wie realistisch in Zukunft ein gemeinsamer Ostertermin für alle christlichen Kirchen ist. Ein möglicher Lösungsansatz könnte in den von der Kalender-Konferenz von Aleppo 1997 erarbeiteten Prinzipien liegen, die nach Ansicht von Harnoncourt in die einzig richtige Richtung weisen. Für Harnoncourt erscheint jedoch in der gegenwärtigen ökumenischen Situation eine rasche Zustimmung zu einer neuen Osterberechnung wenig realistisch.

Die nachkonziliare Liturgiereform brachte nicht nur eine Revision des Römischen Generalkalenders, sondern auch eine Überarbeitung der liturgischen Regionalkalender mit sich. Der für den deutschen Sprachraum 1971 approbierte Regionalkalender – er setzt sich zusammen aus dem Römischen Generalkalender und den darin eingeordneten Eigenfeiern für den deutschen Sprachraum – erfuhr seither einige Änderungen bzw. Erweiterungen. So wurden etwa neue Heiligengedenktage eingefügt und für einige Gedächtnisfeiern der liturgische Rang geändert. Albert Thaddäus Esterbauer, stellvertretender Kanzleileiter im erzbischöflichen Ordinariat Salzburg und Mitglied im Redaktionsteam unserer Zeitschrift, legt in seinem Beitrag den aktualisierten Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet vor und gibt die betreffenden Dokumente an, wo diese Änderungen veröffentlicht wurden.

Die komplizierte Geschichte des Festes der Darstellung des Herrn zeichnet Bert Groen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ostkirchliche Studien an der Universität Nijmegen, nach. In seinem Beitrag stellt er Ursprung, Struktur und Theologie dieses Festes im byzantinischen und römischen Ritus vor, wobei er auch einzelne Brauchtumselemente mitberücksichtigt. In der vergleichenden Untersuchung werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im byzantinischen und römischen Ritus deutlich und die Entwicklungslinien bis in die Gegenwart hinein verfolgt. Auch der mit dem Fest verbundene problematische Brauch der Reinigung der Wöchnerin kommt zur Sprache.

Das Brauchtum spielt auch beim Blumenschmuck in der Kirche eine große Rolle. Im Ablauf des Kirchenjahres, aber auch an bestimmten Festtagen im Leben der Gläubigen, werden Kirchen für den jeweiligen Anlass besonders geschmückt. Franz-Rudolf Weinert, Pfarrer in Mainz, gibt zu dieser Gestaltungsaufgabe in seinem Artikel wertvolle Kriterien an die Hand und bringt zahlreiche Beispiele und Vorschläge, wie man Kirchen dem Anlass entsprechend schmücken kann.

Die Schriftleitung