Wort zu diesem Heft Glaubt man den Statistiken, so verliert der Stellenwert der Liturgie im Leben der Gläubigen zunehmend an Bedeutung. Während manche vorschnell die nachkonziliare Liturgiereform dafür verantwortlich machen, versuchen andere durch einen nüchternen Blick auf die gottesdienstliche Praxis immer noch vorhandene bzw. neu auftretende Defizite in der konkreten Feiergestalt aufzuzeigen. Die Kunst, Gottesdienst zu feiern, fällt einem nicht in den Schoß; die sachgerechte Feier der Liturgie wäre aber jede Anstrengung wert, betont Winfried Glade, Professor für Liturgiewissenschaft an der Hochschule der Steyler Missionare in St. Gabriel, Mödling, in seinem Beitrag "Kultur des Feierns – Ars celebrandi". Anhand verschiedener Grundkategorien gottesdienstlichen Feierns, wie Musik und Gesang, Stille und Schweigen, Sprache und Sprechstil sowie Zeichenhaftigkeit, charakterisiert Glade liturgisches Handeln als Fest und Feier. Blickt man auch nur flüchtig in liturgiewissenschaftliche Arbeiten zur Zeichen- und Symbolgestalt christlicher Liturgie, so wird deutlich, dass ihnen meist folgende Auffassung zugrunde liegt: gottesdienstliche Zeichen richten sich an Menschen. Dahinter verbirgt sich natürlich nicht nur ein bestimmtes Bild- und Liturgieverständnis, sondern auch ein Vorverständnis dessen, was man unter "Gedächtnis", liturgischer Anamnese, versteht. Robert Wentz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Österreichischen Liturgischen Institut und in der Redaktion und Schriftleitung unserer Zeitschrift tätig, plädiert in seinem Artikel "Vom anamnetischen Sinn liturgischer Symbolhandlungen" für einen Paradigmenwechsel in der Deutung liturgischer Zeichen. Ausgehend von Beispielen biblischer Kulthandlungen versucht der Verfasser aufzuzeigen, dass die Sinnrichtung liturgischen Gedenkens – auch in ihrer Zeichengestalt – in erster Linie auf Gott abzielt. Dieses biblisch geprägte Anamneseverständnis wird in einem zweiten Schritt am Taufwassersymbol exemplarisch angewendet. Die liturgische Symbolhandlung wird dabei als integrierender Teil des in Wort und Zeichen sich vollziehenden Gebetes verstanden und somit eine einseitige Auffassung gottesdienstlicher Zeichen als eine den Feiernden nur gegenüberstehende und vorgegebene Größe vermieden. Die nachkonziliare Liturgiereform hat bekanntlich auch die kirchlichen Dienste der "Niederen Weihen" neu geordnet. Sie werden nicht mehr vom Weihesakrament, sondern vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften hergeleitet. Die ausschließliche Beauftragung von Männern zum Lektorendienst hat jedoch dazu geführt, dass weiterhin nur Weihekandidaten beauftragt werden. Gabriele Max, Religionslehrerin am Gymnasium Ort der Kreuzschwestern in Gmunden und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Pro Oriente Sektion am Internationalen Forschungszentrum für Grundfragen der Wissenschaften in Salzburg sowie Redaktionsmitglied unserer Zeitschrift, geht in ihrem Beitrag "Der Gestus der Traditio Instrumenti in der Beauftragungsfeier zum Lektorat" auf diese und weitere Fragen bzgl. der Gestaltung der Beauftragungsfeier zum Lektorendienst ein. Auf dem Hintergrund der historischen Entwicklung bietet die Verfasserin Lösungsvorschläge an, wie das Lektorat von seinem derzeitigen Status als Durchlaufstadium in einer klerikalen Laufbahn befreit werden könnte. In letzter Zeit hat es verschiedentlich beängstigende Medienberichte über mögliche Gesundheitsrisiken bei der Verwendung von Weihrauch gegeben. Inwieweit diese Meldungen auf seriöse wissenschaftliche Untersuchungen basieren, versucht Michael Plank, Theologe und Religionslehrer an der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt Rotholz in Tirol, in seinem Beitrag "‚Sinnesrausch und Gotteserlebnis‘ – Weihrauch als Droge?" zu klären. In seiner Recherche geht es hauptsächlich um pharmakologische und toxikologische Wirkungen des kirchlichen Weihrauchs; dadurch trägt Plank auch zu einer Begriffsklärung in der derzeitigen Diskussion bei. Last but not least sei noch hingewiesen auf eine unter der Rubrik "Lesermeinung" veröffentlichte Reaktion auf die von verschiedenen Seiten geäußerte Kritik über die Wiener Studienausgabe zur Begräbnisfeier. Andreas Redtenbacher, Redaktionsmitglied unserer Zeitschrift und Mitbeteiligter am Zustandekommen dieser Studienausgabe, nimmt in seinem Beitrag zur vorgebrachten Kritik ausführlich Stellung. Die Schriftleitung
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