Wort zu diesem Heft

In jüngster Zeit ist in vielen Gemeinden – nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Priestermangels – ein verstärktes Interesse an der Praxis des Stundengebetes festzustellen, was sich auch in einer steigenden Zahl an entsprechenden Behelfen und Feiervorlagen niederschlägt. Andererseits sind Bücher oder Beiträge, die nicht die Praxis, sondern die Theologie der Tagzeitenliturgie zum Thema haben, vergleichsweise eher selten anzutreffen. In dieser Hinsicht kann der erste Beitrag in diesem Heft unter anderem dazu dienen, diesem Defizit entgegenzutreten. Es handelt sich um einen Artikel zur Theologie der Liturgie des Stundengebetes, den der amerikanische Liturgiewissenschafter Robert F. Taft SJ im kürzlich erschienen Band 5 des "Handbook for Liturgical Studies" publizierte und den wir hier in deutscher Übersetzung wiedergeben. An dieser Stelle sei Prof. Angelus A. Häußling OSB für die Vermittlung und Frau Margret Peek-Horn für die Übersetzung des Taft-Artikels gedankt.

Drei weitere Beiträge in diesem Heft behandeln unterschiedliche Aspekte liturgischer Reformen:

Den Beginn macht ein Grundsatzartikel des Alterzbischofs von Milwaukee, Rembert Weakland, der vor einem Zurückdrehen der nachkonziliaren Liturgiereform warnt. Grundlage für seine Bedenken sind jüngste Entscheidungen der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, insbesondere die im vergangenen Jahr veröffentlichte Instruktion "Liturgiam authenticam" zur Übersetzung liturgischer Texte sowie das vor zwei Jahren erschienene Buch "Der Geist der Liturgie" von Kardinal Josef Ratzinger. Bestimmte restaurative Bewegungen würden sich dadurch in ihrem Bestreben für eine "Reform der Reform" bestärkt fühlen und die Restaurierung der Liturgie im Sinne einer Wiederherstellung bzw. Rückkehr zu vorkonziliaren Verhältnissen anstreben.

Liturgische Reformen betreffen nicht nur liturgische Texte, sondern finden ihren Niederschlag oft auch in einer Neugestaltung bzw. Neuakzentuierung des Gottesdienstraumes. So wurden viele Kirchen im Zuge der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils umgestaltet, renoviert oder neu errichtet. Die heutige pastorale Situation unterscheidet sich z. T. erheblich von der unmittelbar nachkonziliaren Zeit und stellt für Kirchenrenovierungen und -neubauten oft eine Herausforderung dar, der sich die Liturgiewissenschaft, aber auch die kirchlich Verantwortlichen nicht entziehen können. In der Erzdiözese Wien wurden deshalb im vergangenen Jahr offizielle Richtlinien herausgegeben, die sich mit der Gestaltung eines neuen Altares und der übrigen Funktionsorte in der Kirche befassen. Andreas Redtenbacher, Redaktionsmitglied unserer Zeitschrift, stellt diese Richtlinien vor und erläutert ihren Inhalt aus liturgiewissenschaftlicher und -pastoraler Sicht.

Dass Liturgie nichts Starres sein muss, sondern vielmehr in Bewegung ist, diesem Thema geht Stephan Schmid-Keiser – er ist in der Pfarrseelsorge und in der liturgischen Fortbildung tätig – in seiner ausführlichen Besprechung des Buches "Liturgie in Bewegung" nach. Das Buch dokumentiert ein ökumenisch orientiertes Forschungsprojekt zur gottesdienstlichen Erneuerung in den Schweizer Kirchen im 20. Jahrhundert. Schmid-Keiser erläutert erste Ergebnisse des Forschungsprojektes und versucht sie in den heutigen Kontext zu stellen.

Den letzten Beitrag in diesem Heft bildet eine ausführliche Besprechung des "Handbuchs Liturgie", das die Katholische Landjugendbewegung Deutschland e. V. kürzlich herausgegeben hat. Reinhold Malcherek, Pfarrer in Troisdorf-Bergheim, hat sich eingehend mit dem Handbuch beschäftigt und stellt hier seine kritische Würdigung vor. Ausgehend von zentralen inhaltlichen Aspekten, wie z. B. dem zugrunde liegenden Liturgieverständnis, untersucht Malcherek das Handbuch in systematisch-liturgiewissenschaftlicher Sicht und bezeichnet es – trotz mancher Schwächen und Mängel – als ein erfreuliches Bemühen, Jugend und Liturgie miteinander in Beziehung zu bringen.

Die Schriftleitung