Wort zu diesem Heft Am 25. Februar des vergangenen Jahres starb Erzbischof Dr. Alois Wagner. Erzbischof Wagner war von 1970 bis 1981 Mitglied der Liturgischen Kommission für Österreich und der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Liturgischen Kommissionen des deutschen Sprachgebietes. Hans Hollerweger, em. Professor für Liturgiewissenschaft in Linz, würdigt in einem Nachruf das Wirken des Verstorbenen. Die Liturgische Kommission für Österreich lud am 14. und 15. Oktober 2002 zu ihrem jährlich stattfindenden Symposion ein, diesmal zum Thema "Der tägliche Gottesdienst in der Gemeinde". Die Tagungsbeiträge werden in diesem Heft einem größeren Kreis von Interessierten zugänglich gemacht. In seinen Eröffnungsworten drückt Bischof Egon Kapellari, Graz, die Hoffnung aus, dass angesichts der heutigen Not des Betens das Symposion dazu beitragen werde, den Segen des Gebetes besser zu erschließen. Nach kurzen Erfahrungsberichten über regelmäßige Gottesdienste im Pfarrverband sowie über Erfahrungen mit der Tagzeitenliturgie in der Gemeinde untersucht Winfried Haunerland, Professor für Liturgiewissenschaft in Würzburg, in seinem Referat das Verhältnis zwischen dem Gebet des Glaubenden und dem Gottesdienst der Gemeinde. Aufgrund biblischer, systematischer und pastoralliturgischer Überlegungen sieht Haunerland keinen Grund dafür, einen Gegensatz zwischen persönlichem Gebet und gemeinschaftlichem Gottesdienst zu konstruieren, vielmehr würden die beiden Gebetsformen von ihrem Zueinander leben. Die geschichtliche Entwicklung der Tagzeitenliturgie und ihre Folgen für das Beten der Gläubigen schildert Angelus A. Häußling OSB, em. Professor für Liturgiewissenschaft in Benediktbeuern. Aus dieser Geschichte könne die Lehre gezogen werden, dass eine "perfekte" Gebetsordnung kein erstrebenswertes Ziel zu sein brauche. Wichtig sei es aber, dass die Kirche zeitgemäße Gebetsordnungen schaffe, damit der Glaube eingeübt werden könne. In seinem Beitrag "Rezeptionsästhetik, kanonische Intertextualität und unsere Meditation des Psalters" erläutert Georg Braulik OSB, Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft in Wien, den modernen Perspektivenwechsel in der Psalmenauslegung. Die Psalmen würden einerseits nicht mehr als isolierte Einzeltexte ausgelegt, sondern jeder Psalm werde in seiner Vernetzung mit dem ganzen Psalter und im Gesamt der Heiligen Schrift gesehen. Andererseits vollziehe sich eine Wende vom Text zum Rezipienten bzw. zur Rezeptionsgemeinschaft. Wie Beten für den modernen Menschen Lebenshilfe aus dem Glauben sein könne, versucht Markus Eham, Professor für Liturgie, Musik und Stimmbildung an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt, am Beispiel von Morgen- und Abendlob in der Gemeinde aufzuzeigen. Zeitgemäßes Beten könne Menschen in glaubensschwacher und gebetsarmer Zeit aufatmen lassen. In acht Gesprächskreisen hatten die Teilnehmenden am Symposion die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Vertiefung in das Tagungsthema. Aus drei Gesprächskreisen werden in diesem Heft Kurzberichte veröffentlicht. Mit einem ganz ähnlichen Thema hat sich eine liturgiewissenschaftliche Tagung befasst, welche vom 30.9. bis 2.10.2002 in Freiburg (Schweiz) stattfand: "Betende Menschen – Betende Kirche. Tagzeitenliturgie in den Kirchen der Schweiz im 20. Jahrhundert". Josef-Anton Willa, Luzern, hat die Kernaussagen der Referierenden zusammengefasst. Die Schriftleitung
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