Wort zu diesem Heft

Am 13. März 2004 verstarb der über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte und beliebte Franz Kardinal König. Andreas Redtenbacher, Redaktionsmitglied unserer Zeitschrift, würdigt in einem Nachruf die großen Verdienste des Verstorbenen.

Die Liturgische Kommission für Österreich veranstaltete auch im vergangenen Jahr ein Symposion in Salzburg, das diesmal dem Thema "Alttestamentliche und jüdische Glaubenserfahrungen in der christlichen Liturgie" gewidmet war.

In seinen Eröffnungsworten hob der Vorsitzende der Liturgischen Kommission für Österreich, Diözesanbischof Egon Kapellari, Graz, die zentrale Bedeutung der Person Jesu für ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Juden und Christen hervor. Beiden gemeinsam sei auch die messianische Hoffnung auf eine gerechte Welt und einen umfassenden Frieden.

Peter Ebenbauer, Universitätsassistent am Institut für Liturgiewissenschaft, Christliche Kunst und Hymnologie in Graz, führt in die Tagung ein und rekapituliert einige Streiflichter aus der wechselvollen Geschichte zwischen Christen und Juden.

Einen Einblick in den reichen Gebetsschatz des Judentums ermöglichte das erste Hauptreferat von Richard Ames, Professor und Kantor in der Israelitischen Kultusgemeinde in Graz.

Auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen jüdischer und christlicher Liturgie ging Albert Gerhards, Professor für Liturgiewissenschaft in Bonn, in seinem Referat ein. Nach der Darlegung unterschiedlicher Positionen christlicher Theologie gegenüber dem Judentum werde heute verstärkt auf die bleibenden Differenzen bei gleichzeitiger Würdigung der komplexen Verbindungen zwischen jüdischer und christlicher Liturgie hingewiesen.

Reinhard Meßner, Professor für Liturgiewissenschaft in Innsbruck, erläutert in seinem Vortrag die Frage nach der Bestimmung des Menschen aus jüdischer und christlicher Gebetsweisheit. Anhand der ‛amîdâ aus dem jüdischen Gottesdienst und des Benedictus aus dem christlichen legt Meßner wichtige Dimensionen im Verhältnis des Menschen zu Gott frei.

Auf den Spuren eines von wahrhaft christlichem Geist geprägten neuen Verhältnisses zwischen Kirche und Israel begibt sich Daniela Kranemann, Theologin und Lektorin in Erfurt, in ihrem Referat "Unsere Väter, die Söhne Israels . . .". Darin entfaltet sie die liturgische Relevanz des Paradigmenwechsels, den das II. Vaticanum im Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum gebracht hat.

Für einen differenzierten Umgang mit Gesängen und Liedern, die gerade im Hinblick auf das neue Verhältnis zum Judentum missverstanden werden können, plädiert Franz Karl Praßl, Professor am Institut für Kirchenmusik und Orgel an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. In seinem Beitrag "Political correctness in der Liturgie?" warnt er vor einem plakativen Kahlschlag, dem wertvolle Gesänge zum Opfer fallen würden. Es gelte vielmehr, sich um ein vertieftes Verständnis von manchen Formulierungen zu bemühen.

In sechs Gesprächskreisen hatten die Teilnehmenden am Symposion Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur Vertiefung in das Tagungsthema. Aus vier Gesprächskreisen werden in diesem Heft Kurzberichte veröffentlicht.

Die Schriftleitung