![]() von Andreas Redtenbacher
Am 11. März 2004 vor 50 Jahren verstarb in Klosterneuburg Pius Parsch, einer der prägendsten Persönlichkeiten der Liturgischen Bewegung mit weltkirchlichem Format. Am 28. August 2004 gedenkt das Kapitel der Augustiner-Chorherren von Klosterneuburg des 100. Jahrestages seines Ordenseintritts. Die beiden Gedenktage umspannen 5 Jahrzehnte eines intensiven Lebens, Lehrens und Publizierens für die Reform der Kirche und der Liturgie. Parsch war einer der großen Wegbereiter der Liturgischen Erneuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das in seiner Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" seinen Anliegen den Rang einer offiziellen Liturgiereform der Weltkirche gab. Das Parsch-Gedenken fügt sich daher logisch und nahtlos an das Gedenken des 40. Jahrestages der Promulgation der Liturgiekonstitution und kann es weiterführend vertiefen. Seinem an sich unbestrittenen wirkungsvollen Beitrag zur liturgischen Erneuerung wurde aber im Vergleich mit anderen großen Namen der Reform zeitweise wenig Beachtung geschenkt. Dies scheint sich in jüngerer Zeit ein wenig zu ändern. Zu sehr sind Kirche und Liturgiewissenschaft angesichts der gesellschaftlichen und pastoralen Lage mit ihren Konsequenzen für die Liturgie auch auf seinen spezifischen Beitrag angewiesen. Aus dieser Quelle ließe sich mancher Impuls gerade für heute neu schöpfen, vor allem der genuine "Geist der Liturgie". Dem will das vorliegende Themenheft dienen. Dass Parschs Feuer für die Liturgie bei allem Auf und Ab der Entwicklung den zeitgeschichtlichen Bogen in die Gegenwart spannen und erreichen konnte und bis heute nicht verlischt, verdankt sich in erheblichem Ausmaß dem Lebenswerk des Klosterneuburger Chorherren Prof. Dr.Dr.hc. Norbert Höslinger, der heuer den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe beging. Als Schriftleiter der von Parsch 1926 begründeten Zeitschrift "Bibel und Liturgie", als jahrelanger Direktor des "Österreichischen Katholischen Bibelwerkes" und als Leiter des "Pius-Parsch-Instituts" wurde er nicht müde, den Geist und das Werk von Pius Parsch der jeweiligen Zeitsituation entsprechend lebendig zu halten und der Kirche immer wieder in Erinnerung zu rufen. Ein Großteil seiner bisherigen Lebensarbeitszeit galt diesem Anliegen. Ihm sei an dieser Stelle die gebührende Anerkennung ausgesprochen – als Zeichen des Dankes widmet ihm die Schriftleitung von "Heiliger Dienst" das vorliegende Themenheft über Pius Parsch. In der vorliegenden Nummer sind die Beiträge in 3 Teile gegliedert: I. Einleitung Einen ersten Überblick bietet dem Leser wie immer das "Wort zu diesem Heft" seitens der Redaktion. Darauf folgt ein Beitrag des Propstes von Klosterneuburg, Generalabt Bernhard Backovsky, über "Pius Parsch und das Stift Klosterneuburg", das auf persönliche und kompetente Weise mit der Person Parschs und als Mitglied des Konvents von Klosterneuburg vertraut macht. Der Liturgiereferent der Österreichischen Bischofskonferenz und Diözesanbischof von Graz, Dr. Egon Kapellari, formuliert mit profunder Kenntnis unter dem Titel "Liturgie 50 Jahre nach Pius Parsch und 40 Jahre nach Sacrosanctum Concilium: Worauf es heute ankommt" und rückt damit Parsch in den Zusammenhang der gegenwärtigen Liturgiesituation und gibt einen Hinweis auf dessen aktuelle Bedeutung. II. Pius Parsch – historische Perspektiven Dieser Teil wird durch eine ausführliche Zeittafel eröffnet, die den geschichtlichen Lebensweg und das vielfältige Engagement Parschs im Überblick zeigt. Es folgt ein Beitrag aus der Feder des Kirchenhistorikers Univ.-Prof. DDr. Floridus Röhrig, Wien/Klosterneuburg: "Pius Parsch und die biblisch-liturgische Erneuerung im historischen Kontext"; er verortet Pius Parsch vor allem kontextuell-historisch. Aus gegebenem Anlass wurde vom unvergessenen Univ.-Prof. Dr. Josef Andreas Jungmann († 1975), Innsbruck, ein in der Zeitschrift "Der große Entschluss" publizierter Artikel in dieses Heft aufgenommen. Er zeigt unter liturgiehistorischem Blickwinkel am Beispiel des Kirchleins St. Gertrud in Klosterneuburg Parschs Bemühen, Volk und Liturgie wieder zusammenzuführen. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Pacik, Innsbruck/Salzburg, zeigt mit bekannter Kompetenz die hohe Bedeutung des Gesanges und der Kirchenmusik, die Parsch dieser für die "aktive Teilnahme" zuzollt: "Aktive Teilnahme des Volkes an der Messe. Die von Pius Parsch entwickelten Modelle". Sein Thema bleibt dabei gut in den Gesamtzusammenhang der Liturgischen Bewegung eingeordnet. Dr. Andreas Poschmann, Trier, ausgewiesen durch seine gewichtige Dissertation über das Leipziger Oratorium, gibt im Beitrag "Klosterneuburg und Leipzig – zwei Zentren der Liturgischen Bewegung" ein schönes historisches Beispiel für die Wechselwirkungen und den Austausch innerhalb der Liturgischen Bewegung, ihrer Personen und Zentren und damit auch ein frühes Zeugnis der Parschrezeption auf qualifiziertem Niveau. III. Pius Parsch – liturgietheologische Perspektiven Dr. Andreas Redtenbacher, Trier/Klosterneuburg, versucht in seinem Beitrag "Pius Parsch in der liturgiewissenschaftlichen Rezeption" einen ersten umfassenden und materialreichen Überblick über die verschiedenen Phasen der bisherigen Parsch-Rezeption in veröffentlichten und unveröffentlichten Arbeiten; dabei zeigen sich einige erstaunliche Details. "Mystagogie bei Pius Parsch", ist der leicht überarbeitete Auszug aus der gleichnamigen Diplomarbeit, die Dr. Michael Wekerle bei Hansjörg Auf der Maur in Wien zu diesem bei Parsch so wichtigen liturgietheologischen Thema erstellt hatte. Der Palottinerpater Dr. Boleslaw Krawczyk, ehemaliger Mitarbeiter der römischen Gottesdienstkongregation und heute Pfarrer einer Wiener Großstadtpfarre, behandelt das Kernanliegen Parschs: "Aktive Teilnahme der Laien an der Liturgie. Der neue Typus des liturgisch bewegten Laien" aus mehrfachen Perspektiven. Zum Schluss darf auch Pius Parsch selbst zu Wort kommen: sein "Liturgisches Mindestprogramm" gibt nicht nur authentisch Einblick in sein Denken und Streben, sondern kann auch heute zu einer hilfreichen liturgischen Gewissenserforschung anregen. Als für das Parsch-Jubiläumsheft verantwortlicher Redaktor trägt mich der Wunsch, dass nicht nur sein "Liturgisches Mindestprogramm", sondern die gesamte Festnummer von "Heiliger Dienst" solcher Gewissenserforschung dient: für die gefeierte Liturgie und für die liturgiewissenschaftliche Arbeit: "Qui non ardet, non incendit!" (Augustinus, zit. von Abt Benedikt Reetz zur endgültigen Beisetzung Parschs in St. Getrud).
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