Wort zu diesem Heft

In verschiedenen Beiträgen in diesem Heft werden wichtige Aspekte des Kirchenbaus – und hier vor allem der Altarraumgestaltung – für die heutige Zeit erörtert. Am Beginn stehen „Überlegungen zum Kirchenbau heute“ des Wiener Architekten Heinz Tesar. Er beschreibt darin seine Arbeiten an zwei realisierten Kirchenbauten in Klosterneuburg und Wien und erläutert seine Gedanken zum zeitgenössischen Kirchenbau.

Zeitgemäßer Kirchenbau muss sich natürlich auch nach den kirchenamtlichen Vorgaben orientieren, worauf Wolfgang Moser, Pastoralassistent in Wien und ehemaliger Zeremoniär von Kardinal König, in seinem Beitrag hinweist. Nach der Darlegung der derzeit gültigen Richtlinien in der röm.-kath. Kirche zeigt er weiters auf, wie diese in der Altarraumgestaltung des Wiener Stephansdoms baulich umgesetzt wurden.

Für die Erzdiözese Wien wurden im Jahr 2001 Richtlinien für die Gestaltung eines neuen Altares und der übrigen liturgischen Funktionsorte erstellt. Diese Richtlinien verstehen sich als Hilfestellung für jene Gemeinden, die bestehende historische Kirchenräume neu gestalten wollen. Der erzbischöfliche Zeremoniär Martin Sindelar stellt das „Wiener Modell“ in einem ersten Teil unter dem Aspekt der Arbeitsweise des Altarbeirates vor.

Harald Gnilsen, Architekt und Leiter des Bauamtes der Erzdiözese Wien, stellt im zweiten Teil zum „Wiener Modell“ exemplarische Projekte vor, die in der Erzdiözese Wien verwirklicht wurden, wobei er neben der Bedeutung des Instruments von Architekten- bzw. Künstlerwettbewerben für die Neugestaltung von Altarräumen auch auf die besondere Herausforderung hinweist, welche die Bauaufgabe von Sakralräumen mit sich bringt.

In Bezugnahme auf das „Steirische Modell“ liefert Erich Renhart, Redaktionsmitglied unserer Zeitschrift und Professor für Liturgiewissenschaft in Graz, wichtige „Anmerkungen zum Kirchenbau in der Diözese Graz-Seckau in den letzten Jahren“. So weist er etwa darauf hin, dass zwar die wichtigste liturgische Nutzung des Kirchenraumes zweifellos jene für die Eucharistiefeier sei; dies dürfe jedoch nicht dazu führen, andere liturgische Funktions­orte in der Gestaltung zu vernachlässigen.

Einen interessanten Einblick in die wechselvolle Geschichte der Trierer „Doppelkirchenanlage“ von Dom und Liebfrauen gewährt Prof. Franz Ronig, Custos des Domschatzes und ehemaliger Diözesankonservator von Trier. Dabei wird deutlich, wie Liturgie und Architektur sich wechselseitig beeinflussten und befruchteten.

Abschließend sei noch auf zwei Beiträge hingewiesen, die im weiteren Sinn aus der „Welt der Liturgie(wissenschaft)“ berichten: Philipp Harnoncourt, emeritierter Professor für Liturgiewissenschaft in Graz, berichtet vom internationalen Hymnologen-Kongress, der im Sommer 2003 in Halifax, Kanada, stattfand. Die interdisziplinäre und interkonfessionelle Ausrichtung der Hymnologie kam bereits beim Generalthema der Veranstaltung zum Ausdruck: „Kirchenlieder überschreiten Grenzen von Ländern und Generationen“. Dass es mitunter auch zu problematischen Grenzüberschreitungen bei der Aneignung von Kirchenliedern kommen kann, nämlich was ihre konfessionelle Herkunft, ihre Textgestalt und ihre Melodien betrifft, darauf weist Harnoncourt eigens hin.

Anlässlich des 40. Jahrestages der Veröffentlichung der Liturgiekonstitution wurden zwei Symposien veranstaltet: „Liturgie im Bistum Münster auf dem Weg zum II. Vaticanum“ (14./15.11.2003) und „Liturgiereform – eine bleibende Aufgabe“ (23./24.1.2004). Birgit Hosselmann, Assistentin am Fachbereich Liturgiewissenschaft der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Erfurt, gibt darüber einen ausführlichen Bericht.

Die Schriftleitung