Wort zu diesem Heft
Dieses
Heft ist der spannungsvollen Einheit von Liturgie und Sakralität gewidmet.
In gottesdienstlichen Feiern geschieht für den gläubigen Mitvollzug eine
zeichenhafte Begegnung mit dem Heiligen. Im Gesamtspektrum der Zeichen hat die
Sprache eine herausragende Bedeutung für die Liturgie und die durch sie
vermittelte Sakralität, weshalb sich in diesem Heft die beiden ersten Beiträge
mit Fragen der Sakralsprache beschäftigen.
Gunda
Brüske, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Liturgischen Institut der
deutschsprachigen Schweiz in Freiburg, zeigt in ihrem Artikel „Kein
verkleidetes Latein“ Sinn und Grenze sakraler Sprache in volkssprachlicher
Liturgie auf. Dabei geht sie auch auf Fragen der sakralen Qualität liturgischer
Sprache ein, wie sie die kürzlich erschienene Instruktion „Liturgiam
authenticam“ aufgeworfen hat. In der Heiligung des Namens Gottes sieht sie
einen geeigneten Ausgangspunkt für die theologische Begründung einer sakralen
Sprache.
Angeregt
durch die Übersetzungsinstruktion „Liturgiam authenticam“ hat Albrecht
Greule, Professor für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität
Regensburg, gemeinsam mit Elżbieta Kucharska-Dreiß und Marzena Makuchowska
– beide sind Mitglieder der Sakralsprache-Kommission der polnischen Akademie
der Wissenschaften – einen Beitrag zu „neueren Forschungen zur Sakralsprache
im deutsch-polnischen Vergleich“ verfasst. Darin werden länderspezifische
Erträge, Tendenzen und zukünftige Aufgaben zur Erforschung religiöser Sprache
vor allem aus sprach- und kulturwissenschaftlicher Sicht dargelegt. Allgemeine
Aspekte religiöser Sprache werden darin ebenso behandelt wie die Vielfalt
unterschiedlicher Sprechakte im Gottesdienst.
Aus
pastoraltheologischer Sicht nähert sich der Thematik Liturgie und Sakralität
der Beitrag von Stephan Schmid-Keiser, Pfarreileiter in Buchrain/Luzern. In
seinen Ausführungen begibt er sich auf die „Suche nach Sinn und Transzendenz
in gottesdienstlichen Versammlungen“ und untersucht die Frage, wie
Transzendenz im Gottesdienst zur Sprache komme. Vom selben Autor stammt auch der
Bericht über das Symposion „Die Rezeption liturgischer Erneuerung am Beispiel
des Pioniers Pius Parsch“, das am 19./20. November 2004 in Klosterneuburg
stattgefunden hat und an dem Interessierte aus 7 Nationen teilnahmen.
Zwei
weitere Beiträge befassen sich mit sakramentlichen Feiern, nämlich mit der
Krankensalbung aus liturgiewissenschaftlich-ökumenischer Sicht und der
Eucharistie aus liturgietheologisch-systematischer Sicht.
Bert
Groen, Professor für Liturgiewissenschaft in Graz, zeichnet in seinem Beitrag
„Die Krankensalbung und ihr Platz in der heutigen Krankenhausseelsorge“ in
einem ersten Schritt die wechselvolle Geschichte des Sakramentsvollzugs und
deren theologische Deutung in West und Ost nach. In einem zweiten Schritt stellt
er die heutige Praxis in der römisch-katholischen, der evangelischen und der östlich-orthodoxen
Tradition vor. Abschließend nennt er Diskussionspunkte und Empfehlungen, die
sich aus der theologischen Zusammenschau der unterschiedlichen Traditionsstränge
und den lehramtlichen Vorgaben ergeben.
Aus
systematischer Sicht entfaltet Lothar Lies SJ, Professor für Ökumenische
Theologie in Innsbruck, die unterschiedlichen Wirkweisen Jesu in der
Eucharistie. Besonderes Augenmerk legt der Autor dabei auf die verschiedenen
Gegenwartsweisen des Auferstandenen und seines Heilswerks in der eucharistischen
Feier.
Die Schriftleitung
