Wort zu diesem Heft
Dieses
Heft befasst sich mit einigen Aspekten der „ars celebrandi“, also der Kunst
liturgischen Feierns, wobei das Hauptaugenmerk auf den Zusammenhang von
Feiergestalt und dem persönlichen Erleben des Feiergehalts gelegt wird.
Im
ersten Beitrag umreißt Josef Weismayer, em. Professor für Dogmatische
Theologie an der Universität Wien, den Themenhorizont mit der allgemeinen Frage
nach dem geistlichen Gewinn, den die am Gottesdienst Teilnehmenden aus der
Mitfeier ziehen. Es sei zwar allgemein bekannt, dass dem II. Vatikanischen
Konzil eine „bewusste und tätige“ Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie
ein großes Anliegen war, fast übersehen werde dabei aber bis heute das ebenbürtige
Anliegen des Konzils, dass nämlich die Mitfeier „mit geistlichem Gewinn“ (fructuose)
geschehen soll (SC 11). Weismayer legt in seinen Ausführungen dar, was mit
„geistlichem Gewinn“ gemeint ist.
Die
nächsten zwei Beiträge befassen sich mit einer im Jahr 2003 durchgeführten
Studie zur „Gottesdienstqualität“ in Wien. Marcus König,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pastoraltheologie an der
katholisch-theologischen Fakultät Wien, stellt wichtige Ergebnisse dieser
Studie vor. Er sieht in der qualitätsvollen Gestaltung liturgischer Feiern eine
noch zu wenig ausgeschöpfte Quelle neuer Spiritualität. Dabei spielt auch die
Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem, was wir feiern, und der heutigen
Lebenswelt eine zentrale Rolle.
Wichtiger
Bestandteil dieser Studie zur „Gottesdienstqualität“ war eine empirische
Untersuchung von Sieghard Gall, die er mittels seines von ihm entwickelten
Reactoscope®-Verfahrens
durchführte. Dabei wurden die Wahrnehmungen von Gottesdienst auf dem
Hintergrund von Erwartungen und Einstellungen von 142 Teilnehmern aus den
Gemeinden in Wien erhoben. Gall legt in seinem Beitrag detaillierte Ergebnisse
dieser Befragung vor.
Authentisches
Liturgiefeiern hat nach Ansicht von Stephan Schmid-Keiser, Pfarreileiter in
Buchrain/Luzern, auch etwas damit zu tun, die ‚praesentia Dei‘
zur Sprache kommen zu lassen. Der Gegenwart Gottes in liturgischen Feiern
bewusst Raum zu geben, davon handelt sein Beitrag zur „Theopraxis“, in dem
er die heutige Suche nach Transzendenz in ihrer Bedeutung für die Praxis
lebensdienlicher Gottesdienste beleuchtet.
Damit
der Gegenwart Gottes entsprechend Raum gegeben wird, ist auf den dialogischen
Charakter der Liturgie zu achten. Dieses dialogische Prinzip betrifft nicht nur
gottesdienstliches Feiern insgesamt, sondern kann auch auf liturgische Gesänge
angewendet werden. Joachim Springer, Pfarrer in Gorxheimertal (Odenwald), zeigt
in seinem Beitrag auf, wie heraus-fordernd der Dialog im Gesang sein kann und
tritt dafür ein, „schöne“ Gottesdienste zu feiern, damit Gott in unser
Leben eintreten und wirken kann.
Abschließend
sei noch hingewiesen auf die Rubrik „Berichte und Notizen aus Liturgie und
Liturgiewissenschaft“, die unser Redaktionsmitglied Andreas Redtenbacher in
gewohnt umsichtiger Weise betreut. Diesmal findet sich darin u. a. ein
„Gastkommentar“ des ev.-reformierten Pfarrers Alfred Ehrensperger,
Niederuzwil, Kanton St. Gallen, über die Jahrestagung des
Abt-Herwegen-Instituts in der Benediktinerabtei Maria Laach, die vom 23. bis 25.
September 2005 zum Thema „Hat Liturgie Zukunft?“ abgehalten wurde.
Die Schriftleitung
