Wort zu diesem Heft
Wenn
Christen sich zum Gottesdienst versammeln, feiern sie immer das eine zentrale
Glaubensgeheimnis des Heilshandelns Gottes mit den Menschen, das in Tod,
Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi kulminiert. Dieses eine „Thema“,
das jeder liturgischen Feier innewohnt, hindert jedoch nicht, ja verlangt sogar
– wenn man die unterschiedlichen Situationen und Voraussetzungen der zum
Gottesdienst versammelten Gläubigen als konstitutiv für eine authentische
Feier berücksichtigt – eine entsprechende inhaltliche und formale Vielfalt
gottesdienstlichen Handelns. Die Beiträge in diesem Heft sind einem besseren
Verständnis dieser Vielfalt gewidmet.
Von einer
sehr grundsätzlichen Perspektive aus versucht Frank Walz, Universitätsassistent
für Liturgiewissenschaft in Salzburg und Redaktionsmitglied unserer
Zeitschrift, die Vielfalt der Liturgie als eine Antwort auf eine dialogische
Anthropologie zu erklären. Unter dialogischer Anthropologie wird dabei das sich
wechselseitig bedingende Verhältnis von Individuation und Sozialisation
verstanden, das wesentlich für die Entwicklung des Menschseins ist. Am Beispiel
der Familienliturgie führt Walz aus, inwiefern Liturgie und pastorale
Wirklichkeit eine Chance bieten, die Prozesse der Individuation und der
Sozialisation sowohl für die Persönlichkeitsbildung, als auch für den Aufbau
kirchlicher Gemeinschaft, fruchtbar zu machen.
Iris Maria
Blecker, Redakteurin des Materialbriefes „praxis gottesdienst“, möchte in
ihrem Beitrag den Schatz der Liturgie in seiner Vielfalt zum Leuchten bringen.
Ausgehend von der einen Eucharistiefeier am Sonntag, zeigt Blecker die
liturgische Vielfalt an einigen Beispielen auf: von Gottesdiensten mit
besonderen „Zielgruppen“ bis hin zu vielfältigen Gottesdienstformen
entwickelt sie die Vision einer Liturgie, die tatsächlich als Quelle und Höhepunkt
in der Gemeinde erfahren werden kann. (Als wertvolle Hilfe und Anregung,
Gottesdienste lebendig und ansprechend zu gestalten, sei auch auf die
Werbebeilage für „praxis gottesdienst“ in diesem Heft hingewiesen.)
Der
Gottesdienst mit Kleinkindern in der Pfarrgemeinde ist Thema eines Beitrags von
Manfred Waltl, Pastoralreferent in Geretsried und Mitarbeiter im Fachbereich
Sakramentenpastoral und Gemeindekatechese im Seelsorgereferat der Erzdiözese München.
Waltl erörtert zahlreiche praktische und pastorale Fragen eigenständiger
Kleinkindergottesdienste und ist überzeugt, dass Kleinkindergottesdienste bei
entsprechender Vorbereitung und Durchführung eine echte Bereicherung für das
kirchliche Leben in der Pfarre darstellen.
Die nächsten
drei Beiträge beschäftigen sich mit dem oft spannungsreichen Verhältnis von
Jugend und Liturgie. Ewald Volgger, Professor für Liturgiewissenschaft in Linz,
stellt 11 Leitlinien zur Gestaltung jugendgerechter und lebendiger Gottesdienste
vor, die 1998 von der Kath. Jugend Südtirols unter Mitarbeit der diözesanen
Liturgiekommission erarbeitet wurden. Die Leitlinien sind als Arbeitshilfe für
alle gedacht, die sich um die Gestaltung von Jugendgottesdiensten bemühen. Sie
geben aber auch wertvolle Hilfestellungen und Impulse für eine lebendige
Gemeindeliturgie und für das Gespräch in Liturgiekreisen.
Vom Beginn
eines „heiligen Experiments“, nämlich der Jugendkirche Wien, berichtet
Gregor M. Jansen, Vikariats-Jugendseelsorger Wien-Stadt und Seelsorger der
Jugendkirche Wien. Das Projekt einer eigenen Jugendkirche soll dazu beitragen,
dass Kirche für Jugendliche als Lebens-Raum und Heimat-Ort erfahrbar wird.
Besonders erwähnenswert sind die Ausführungen Jansens zur
Jugendgottesdienst-Reihe „find-fight-follow“, die als Event-Gottesdienste möglichst
viele Jugendliche zur Teilnahme ansprechen möchten. Bei diesen großen
Gottesdiensten mit durchschnittlich etwa 2000 Jugendlichen soll Liturgie der
Kirche so gefeiert werden, dass sie auch tatsächlich als Feier erlebt wird.
Authentizität und Glaubwürdigkeit der gesamten Feier sind dabei von zentraler
Bedeutung für die Jugendlichen.
Weiters sei
noch hingewiesen auf pastoralliturgische Überlegungen zur Teilnahme
Jugendlicher an der Liturgie von Peter Caban, Theologisches Institut Banská
Bystrica, Slowakei.
Einen
interessanten Praxisbericht aus der vielfältigen Arbeit eines pfarrlichen
Liturgieausschusses liefert Sr. M. Ruth Aumayer SSND. In ihrem Beitrag zeigt sie
die Vielfalt der Liturgie anhand ihrer jahrelangen Tätigkeit als Leiterin des
pfarrlichen Liturgieausschusses auf.
Die
Vielfalt der Liturgie lässt sich nicht nur anhand bestimmter „Zielgruppen“,
sondern auch auf unterschiedlichen Hierarchieebenen aufzeigen. So zeichnet sich
etwa der Papstgottesdienst nicht nur durch besondere Feierlichkeit aus, er weist
auch eine – durch mediale Übertragungen oft sehr eingeschränkt wahrgenommene
– Vielfalt auf, von der Erzbischof Piero Marini in seiner Funktion als päpstlicher
Zeremoniär in seinem neuen Buch „Nobilis Pulchritudo“ berichtet. Die
Geschwister Gabriele und Michael Max, beide Mitglied des Redaktionsteams,
stellen die wichtigsten Inhalte des Buches für unsere Leserschaft vor.
Abschließend
sei noch auf eine Festrede von Bischof Helmut Krätzl hingewiesen, die er anlässlich
der Buchpräsentation von „Pius Parsch in der liturgiewissenschaftlichen
Rezeption“ am 29. November 2005 im Stift Klosterneuburg gehalten hatte. Den
Schwerpunkt seiner Ausführungen bildet dabei die Erneuerung der Liturgie, wobei
Bischof Krätzl besonders auf die Bedeutung der Liturgischen Bewegung eingeht.
Die
Schriftleitung
