Wort zu diesem Heft
Die
InStyria.at-Kulturservice-GmbH hat die Steiermark für 2006 zur „NoMozartZone“
erklärt. Angesichts des Booms im Jubiläumsjahr verständlich. Unsere
Zeitschrift folgt diesem Beispiel nicht: Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
und dem weniger aufwändig gefeierten Johann Michael Haydn (1737–1806) sind
einige Beiträge dieses Heftes gewidmet. Es bietet trotzdem mehr als eine
Mozart- und Haydn-Hommage. Schließlich umfasst „der Schatz der Kirchenmusik“
(vgl. II. Vaticanum, SC 114.121) nicht nur die Klassik (obwohl das Repertoire
mancher Chöre das Gegenteil vermuten lässt).
Den
Anfang macht Egon Kapellari, Bischof von Graz-Seckau. In seinem
Grundsatzreferat, mit dem er das 27. Internationale Theologische Symposion in
Pamplona (April 2006) eröffnete, plädiert er für eine innere Reform der
Liturgie. Das bedeutet nicht Rückkehr in die Vorkonzilszeit, sehr wohl aber
achtsamen Umgang mit Dramaturgie und Zeichen, die ja dem Heiligen dienen sollen.
– Peter Paul Kaspar, Akademikerseelsorger in Linz und Lehrbeauftragter an der
dortigen Anton-Bruckner-Privatuniversität, charakterisiert Mozarts Wirken im
– nicht immer geliebten – Dienst der Kirche. Einen Seitenblick auf die
Gegenwart werfend, tritt auch Kaspar für eine Neubesinnung ein: dafür, das
Gleichgewicht zwischen Wort, Stille und Musik wiederzugewinnen. – Jakob
Johannes Koch, Referent für Kunst und Kultur am Sekretariat der Deutschen
Bischofskonferenz, geht der Frage nach, wie orchesterbegleitete
Ordinariumskompositionen, speziell diejenigen Mozarts, sich in der heutigen
Liturgie einsetzen lassen. Er nennt Probleme, gibt aber auch Anregungen: In der
festlichen Messe muss das Verhältnis zwischen den musikalischen und den
übrigen Elementen stimmen (dies gegen die verbreitete Praxis, zugunsten der
Musik alles andere zu kürzen); aktive Teilnahme schließt auch Hören ein
[beides ist freilich nicht immer austauschbar, R. P.]; Mozarts Kompositionen
können, entsprechend decodiert, als Mystagogie dienen. – Ging es bei Koch um
die Messe, so behandelt die Grazer Musikwissenschaftlerin Ulrike Aringer-Grau
Mozarts und Johann Michael Haydns Kompositionen für Tagzeitenliturgie und
Andachten; einleitend stellt sie die am Salzburger Dom übliche Ordnung der
feierlichen Vesper dar. – Mit der wohl verbreitetsten Komposition Johann
Michael Haydns, der Liedreihe „Hier liegt vor deiner Majestät“, befasst
sich der Musikwissenschaftler Petrus Eder OSB, Benediktiner und Organist der
Erzabtei St. Peter, Salzburg; entsprechend der damaligen Frömmigkeit und
Theologie begleiteten diese Gesänge die vom Priester allein vollzogene Feier,
analog den Messandachten, die ja nicht die liturgischen Texte, sondern, wenn
überhaupt, von diesen angeregte Paraphrasen enthielten. – Der Münchener
Medienforscher Sieghard Gall, seinerzeit an der vom Wiener Pastoraltheologen
Paul M. Zulehner initiierten Studie über Gottesdienstqualität beteiligt,
wendet die von ihm entwickelte Befragungsmethode Reactoscope® auf die Rezeption
von 30 traditionellen Kirchenliedern an. – Der Wiener Vikariatskantor Wolfgang
Reisinger hat zwei Jahre lang an der University of Kansas ein Doktoratsstudium
absolviert und dort zugleich als Director of Music des St. Lawrence Catholic
Campus Center gearbeitet; über seine kirchenmusikalischen und liturgischen
Erfahrungen berichtet er im letzten Artikel.
Rudolf Pacik
