Wort zu diesem Heft

So paradox es vielleicht klingen mag: religiöse Erfahrung im Gottesdienst ist nicht selbstverständlich. In der Liturgie wird zwar die Begegnung Gottes mit den Menschen gefeiert, die Intensität dieser Begegnung hängt aber letztlich – neben der gnadenhaften Zuwendung Gottes, die nicht erzwungen werden kann – davon ab, in welchem Maß das Interaktionsgeschehen gelingt. Man könnte dieses Gelingen einer geistlich fruchtbaren Feier Gott allein anheimstellen, oder es dem Zufall überlassen, oder auch auf eine als ehrwürdig und immer schon „funktionierende“ liturgische Gestalt vertrauen. Im Bemühen um eine genuine „ars celebrandi“ wird ein anderer Weg beschritten: Es geht dabei um die Kunst, das liturgische Handeln so zu gestalten, dass die gottesdienstliche Feier tatsächlich als authentischer Ausdruck eigenen gläubigen Antwortens erlebt werden kann.

Mit den damit verbundenen vielfältigen Facetten einer „ars celebrandi“ befasste sich das vergangene Symposion der Liturgischen Kommission für Österreich (LKÖ) am 8. und 9. Oktober 2007 im Bildungshaus St. Virgil, Salzburg.

Nach Begrüßung und Eröffnung durch den Vorsitzenden der LKÖ, Erzbischof Alois Kothgasser SDB, Salzburg, sorgte die Theatergruppe „42a“ aus der Pfarre St. Elisabeth, Salzburg, mit erheiternd gespielten und nachdenklich machenden Sketches für einen gelungenen Einstieg in das Thema. Darin veranschaulichten sie – wohl weit verbreitete – Erfahrungen, die ein gelingendes Feiern konterkarieren: Es beginnt schon bei der hektischen Vorbereitung auf dem Weg zur Kirche, setzt sich fort in zerstreuter Betriebsamkeit in der Sakristei, mündet ein in gedankenloses Ablesen von Gebetsformularen und endet nach der Feier mit dem fluchtartigen Verlassen der Gemeinde durch den gestressten Pfarrer, auf den bereits weitere Verpflichtungen warten . . .

Im ersten Hauptreferat geht Gunda Brüske, Mitarbeiterin am Liturgischen Institut der deuschsprachigen Schweiz, auf liturgietheologische Aspekte einer recht verstandenen „ars celebrandi“ ein. „Kunstgerechtes“ liturgisches Handeln liege dann vor, wenn es der Gegenwart Gottes entspricht, wie Brüske am Beispiel des Mose am brennenden Dornbusch ausführt. Der gläubigen Antwort auf Gottes Angerufensein geht der Akt des Anwesend-seins voraus: Dieses sich hineinstellen in die Gegenwart Gottes erfordere allerdings eine gesammelte Haltung, um wirklich da sein zu können. Weiters setzt sich Brüske mit der Frage der Gegenwart Gottes in liturgischer Überlieferung auseinander und zieht daraus Folgerungen für die ars celebrandi. Diese kann zur ausgefeilten Technik degenerieren, wenn die Gegenwart Gottes außer Blick gerät.

Von der spannungsreichen Balance zwischen rubrizistischem Gehorsam und verantwortungsvoller Feierkultur berichtet Stefan Rau, Pfarrer in Münster, in seinem Referat zur „ars celebrandi“. Ausgehend von z. T. persönlich geprägten, liturgischen Erfahrungen aus der Vorkonzilszeit analysiert Rau den liturgietheologischen Paradigmenwechsel, den das II. Vatikanische Konzil gebracht hat: die Wiederentdeckung der Liturgie als kommunikatives Zeichengeschehen, das die tätig Mitfeiernden wirklich ernst nimmt. Dadurch wurde aber die unerlässliche Aufgabe einer liturgie- und menschengerechten Feier erst gestellt! Das Paradigma einer geistlich fruchtbaren Feier ist fortan Maßstab einer adäquaten ars celebrandi.

Anhand praktischer Übungen mit den Symposionsteilnehmerinnen und -teilnehmern vertiefte Bernward Konermann, Autor, Schauspieler und Regisseur in Berlin, die szenischen Grundlagen von Form und Präsenz in der Liturgie. Das im Gottesdienst zum Ausdruck gebrachte Geschehen sollte so dargestellt bzw. „in Szene gesetzt“ werden, dass Gott erscheint – darin besteht die szenische Kunst. Weder im Theater noch in der Liturgie geht es deshalb darum, etwas Falsches vorzuspielen, das wäre schlechtes Theater und nicht authentisch vollzogene Liturgie. Das Bewusstsein, in der Gegenwart Gottes zu stehen, kann davor bewahren, in der Feier des Gottesdienstes nur ein „Theater“ zu sehen oder darin selbst „Theater zu spielen“.

Bei den am Abend angebotenen Kamingesprächen konnten einzelne Aspekte der ars celebrandi in kleineren Gesprächsgruppen vertieft werden:

Roland Bachleitner, Pfarrer in Steyr, befasste sich in seiner Gesprächsgruppe mit der Eröffnung der Messfeier, die – nicht zuletzt durch predigtähnliche Ausführungen schon bei der Begrüßung – als oft langatmig und überladen wirkt. In seinem Impulsreferat gibt er einige praktische Anregungen und Beispiele, wie der Eröffnungsteil sinnvoll gestrafft werden kann.

Eduard Nagel, Deutsches Liturgisches Institut in Trier, leitete den Gesprächskreis zum Thema „Reden mit Gott? – Beten im Gottesdienst“. Neben Inhalt, Form und Struktur liturgischer Gebete wurde auch versucht, für eine Messfeier mit Kindern ein Tagesgebet entsprechend umzuformulieren.

Dass Kleider Leute machen, trifft auch für die liturgische Kleidung zu. Sr. Marta Bayer OSB, Steinerkirchen, behandelte in ihrer Arbeitsgruppe Fragen nach personalen, funktionalen und sakralen Dimensionen liturgischer Kleidung. Neben grundsätzlichen liturgietheologischen und liturgiepastoralen Überlegungen berichtet sie auch über einige kritische Erfahrungen aus der Praxis.

Abschließend sei noch auf die Besprechung einer aktuellen, international angelegten Studie der Bertelsmann Stiftung hingewiesen, in der die Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft untersucht wird. Zur Durchführung der Umfrage diente ein für den interreligiösen Vergleich eigens entwickelter Religionsmonitor. Robert Wentz, Mitarbeiter am Österreichischen Liturgischen Institut, Salzburg, stellt wichtige Ergebnisse der Studie vor.

 

Die Schriftleitung