Wort zu diesem Heft

von Andreas Redtenbacher und Klaus Peter Dannecker


Der Taufbefehl Jesu nach Mt 28,19 ist Fundament des sakramentalen Lebens und der Sendung der Kirche von Anfang an. Im Bewusstsein der Kirche ist seither die Taufe das urpersönliche und lebensprägende Hineingenommenwerden des Menschen in die Christusexistenz, die existenzielle Verwandlung durch die Übernahme von Tod und Auferstehung Jesu in das eigene Leben, der Anfang einer Beziehung mit Gott, die wir Gnade nennen. Leider wird allzuoft das, was das Sakrament feiernd vollziehen will, in die Nähe kulturbezogenen Brauchtums, eines familiären Namensgebungsfestes oder eines Kindersegens nach der Geburt gerückt. Dieses Defizit kann nicht einfach nur auf die gesellschaftliche Situation abgeschoben werden: nur zu oft wurden und werden in Verkündigung und Pastoral die Erschließung dieses Sakramentes und seine Mystagogie nicht nur vernachlässigt, sondern einfach ausgelassen und vergessen. Damit aber kann sich auch kein genuines Taufbewusstsein entwickeln, aus dem Christen – gerade in säkularisierter Gesellschaft – leben können und ihre urtümliche Quelle für eine authentisch christliche Spiritualität finden. Dass es spürbare Zeichen gibt, dies zum Besseren zu wenden und wie dies zu machen wäre, will das vorliegende Themenheft unserer Zeitschrift zeigen. Schon seit geraumer Zeit war seitens der Redaktion von „Heiliger Dienst“ dieses Thema geplant. Es fügte sich, dass zugleich die lange erwartete zweite Auflage der „Feier der Kindertaufe“ in den Bistümern des deutschen Sprachgebietes erschien. Damit wird das Heft zugleich zum Kommentar und zur Hilfestellung für den Umgang mit diesem Liturgiebuch, aber auch zur Ermutigung, der gesamten Taufpastoral einen neuen Stellenwert zu geben.

Das „Wort zu diesem Heft“ will nicht nur seitens der Redaktion wie immer einen ersten Überblick über diese HlD-Nummer geben (die wieder einmal den Umfang eines Doppelheftes angenommen hat), sondern verweist zugleich auf die thematische Kooperation für dieses Heft mit Professor Dr. Klaus Peter Dannecker aus Trier.

Martin Klöckener, Professor für Liturgiewissenschaft in Freiburg/Schweiz, war einer der ersten, die zur Neuausgabe der „Feier der Kindertaufe“ Stellung bezogen. In seinem Beitrag „Feier des Glaubens – Feier der Kirche“ führt er aus vielfältigen Perspektiven in das 2007 erschienene und ab 1. Advent 2008 verpflichtende Buch ein.

Winfried Haunerland, Professor für Liturgiewissenschaft und Regens des Herzöglichen Georgianums in München, zeigt die „Innovationen in der ‚Feier der Kindertaufe“ und ihre unmittelbare Bedeutung auf. Mit gewohnt hoher liturgiewissenschaftlicher Präzision führt er zu einem vertieften Verstehen der Anliegen und Absichten des erneuerten Buches.

Ralph Olbrich, Assistent am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft in Bamberg, hatte schon seine Diplomarbeit über Taufstätten geschrieben. Im vorliegenden Beitrag „‚Ad fontes oder eine neue Tradition?“ gibt er – ausgehend von liturgiegeschichtlichen Erkenntnissen – wertvolle Überlegungen zur liturgiegerechten Gestaltung moderner Tauforte mit beachtlichen Schlussfolgerungen und bietet hierfür auch konkrete Praxisbeispiele mit Bilddarstellungen. Dabei kommt die wachsende Bedeutung der Taufe durch Ein- oder Untertauchen als die eigentliche Taufform in den Blick.

Klaus Peter Dannecker, neu berufener Professor für Liturgiewissenschaft in Trier, weist im Sinne der so notwendigen „ars celebrandi“ auf die wichtige „Mystagogische Feier der Liturgie am Beispiel der Kindertaufe“ hin. Sein Zugang berührt wichtigste Gundsatzfragen liturgischen Feierns überhaupt und zeigt, wie auch heute in säkularisierter Zeit die Taufe als Sakrament des Glaubens gefeiert, gelebt und erlebt werden kann.

Juan Javier Flores Arcas OSB ist Präses (Dekan) des Päpstlichen Liturgischen Instituts der Bendiktinerhochschule San Anselmo in Rom, wo er sich als Fachmann für Tauffragen eines hohen Ansehens erfreut. Sein Beitrag handelt über Lobpreis und Anrufung Gottes über dem Wasser im Ritus der Kindertaufe. Mit der ihm eigenen liturgiewissenschaftlichen Kompetenz behandelt er dieses wichtige und oft unterbewertete Element der Tauffeier, das eigentlich eine hohe Aussage- und Symboldichte hätte. Ganz vom Text ausgehend, interpretiert er den Inhalt dieses anamnetisch-epikletischen („Hoch“-)Gebetes der Taufe.

Franz-Peter Tebartz-van Elst, einst Domvikar in Münster, Professor für Pastoraltheologie und Liturgiewissenschaft in Passau, dann Weihbischof in Münster und schließlich neuer Bischof von Limburg, ist – nach dem Tod Balthasar Fischers – bekannt als bester Fachmann für Fragen des Katechumenats erwachsener und junger Menschen, der Tauf- und Initiationspastoral, außerdem der in dieser Richtung schon weit vorangeschrittenen Pastoralsituation der Kirche in den USA und in Frankreich. In seinem Beitrag „Initiationskatechese mit ungetauften Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ gibt er wertvollste und zugleich sehr sensible Orientierungen für eine auch in unseren Breiten immer wichtiger werdende seelsorgliche Herausforderung. Er plädiert mit Umsicht, aber entschieden für eine grundlegende Neubelebung des Katechumenats im Sinne des Konzils.

Andreas Redtenbacher, Mitglied des Redaktionsteams unserer Zeitschrift, verlässt den thematischen Rahmen: Er bietet den II. Teil des weit ausholenden Beitrags „60 Jahre Liturgieentwicklung im Spiegel der Zeitschrift ‚Heiliger Dienst“ (vom Zweiten Vaticanum bis zur Gegenwart 1962–2006). Es handelt sich dabei um den Abschluss einer Untersuchung, die aus Anlass des 60. Anniversariums unserer Zeitschrift begonnen wurde. Der erste Teil war bereits in: HlD 60 (2006) 226–240 erschienen. Damit liegt neben den wertvollen Registerarbeiten von E. Renhart und R. Wentz jetzt auch eine vollständige inhaltliche Aufarbeitung und Dokumentation aller Jahrgänge als weiteres Instrument für das liturgiewissenschaftliche Arbeiten vor.

Dieses Heft wird wie immer mit der gewohnten Rubrik „Berichte und Notizen aus Liturgie und Liturgiewissenschaft“ abgerundet und am Schluss findet der Leser u. a. Rezensionen über zwei überaus wertvolle Publikationen zum Generalthema „Taufe“ vor: das neue Werkbuch zur Kindertaufe, herausgegeben von W. Haunerland und E. Nagel, sowie die neueste wissenschaftliche Publikation zum Thema „Die Taufe. Einführung in Geschichte und Praxis“ herausgegeben von Ch. Lange, C. Leonhard und R. Olbrich.

In ‚Lobpreis und Anrufung Gottes über dem Wasser betet die Kirche jedesmal neu: „Wir bitten dich, allmächtiger, ewiger Gott, schau gnädig auf deine Kirche und öffne ihr den Brunnen der Taufe“. Dass dieser geöffnete Brunnen neu zur Quelle des Lebens und der Grundspiritualität von Christen und Gemeinden werde, darum geht es in diesem Heft.