Interdisziplinäre Fachtagung: Vulnerabilität und Vulneranz
Das ambivalente Verhältnis von Vulnerabilität und Vulneranz ist ein zentrales Thema der Missbrauchsforschung. Bislang wurde jedoch kaum beleuchtet, welche Machtwirkungen Rituale (religiöse und säkulare) in diesem Problemfeld zeitigen. Aber Rituale sind Machtpraktiken, die in der menschlichen Vulnerabilität verortet sind und zugleich die Gefahr der Vulneranz erzeugen. Sie können Vulnerabilität steigern oder minimieren; Vulneranz anheizen oder eindämmen. In der Missbrauchsproblematik bergen sie daher Gefahren, können mit ihrer transformativen Kraft aber auch Chancen der Aufarbeitung und Bewältigung eröffnen.
Ein prekäres Feld
Für Theologie und Kirche bedeutet dieses prekäre Feld eine besondere Herausforderung. Solange ihre Institutionen vertuschen, stärken sie die Resilienz von Täter*innen und erhöhen die Vulnerabilität von Opfern. Daher ist es erforderlich, die Bedeutung von Ritualen, speziell auch von Liturgien, in Missbrauch und Vertuschung, Bewältigung und Erinnerungskultur genauer zu analysieren. Wie sind Rituale hier mit der Vulnerabilität verbunden, und welche Rolle spielen Erfahrungen der Liminalität? Wie muss die kirchliche Ritualkompetenz transformiert werden, damit diese Kernkompetenz im Dienst von Überlebenden steht, statt weiterhin die Resilienz der Täter*innen zu fördern? Welche Rolle spielen Klerikalismus und Gender-Ungerechtigkeit?
Die Fachtagung
verbindet Vulnerabilitäts- und Ritualforschung. Sie stellt das neue Themenfeld ‚Vulnerabilität – Vulneranz – Ritual‘ der wissenschaftlichen und wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit vor und führt die interdisziplinäre Debatte weiter.
Teilnehmer*innen
Die Fachtagung versammelt führende Wissenschaftler*innen und lädt Dozierende, Post-Docs, Promovierende, Studierende sowie Fachkräfte aus der Praxis zur Fachdiskussion ein.
