Die Ausdifferenzierung von Judentum und Christentum in der Spätantike war ein längerer historischer Prozess. Heute anerkennt die Kirche die bleibende, positive Bedeutung Israel in der Heilsgeschichte, so dass ekklesiologisch von einem doppelten Volk Gottes gesprochen werden kann. Das heilsgeschichtliche Erinnern in den Gebeten der Liturgie ist daher entsprechend anzupassen und das Alte Testament in der Leseordnung in seinem Eigenwert wie auch in der jüdischen Auslegung zu stärken. Das persönliche Beten und der spirituelle Vollzug kann sich zudem von rabbinischer Frömmigkeit inspirieren lassen.
Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ
ist Professor für Judaistik und Theologie und Leiter des Instituts für Jüdisch-Christliche Forschung an der Universität Luzern.