Der Beitrag reagiert aus neutestamentlich-bibelwissenschaftlicher Perspektive auf Alexander Deegs Überlegungen zur liturgischen Haltung und Hermeneutik im Verhältnis der bleibenden Erwählung Israels und des christlichen Gottesdienstes. Er rekurriert auf zentrale biblische Texte zur Teilhabe der Völker am Erbe Israels und skizziert die komplexen Prozesse der Identitätsbildung zwischen Judentum und Christentum. Dabei wird dem Bild verschlungener Traditionsströme der Vorzug gegenüber dem linearen Modell des „Parting of the Ways“ gegeben. Ein Schwerpunkt liegt auf der intertextuellen Hermeneutik: Werden die neutestamentlichen Schriften als jüdische Texte gelesen, erweitert sich ihr Sinnpotenzial. Abschließend werden Impulsfragen für eine liturgische Praxis formuliert, die die Israelkontur wahrt, antijüdische Muster vermeidet und den Dialog zwischen jüdischen und christlichen Traditionen fördert.
Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber
ist Professorin für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholischen PrivatUniversität Linz.