Die Osternachtliturgie erwähnt „Israel“ auffallend häufig. Damit bestimmt die Kirche in dieser zentralen Feier ihr Selbstverständnis. Das Exsultet beschreibt Israel als „unsere Väter“ und verortet die Christinnen und Christen in der Geschichte der Erwählung. Die Lesungen von Schöpfung, Befreiung und Verheißung zeigen: Gottes Handeln an Israel ist und bleibt Ursprung jeder Erlösung. Insbesondere die Psalmen ermöglichen Rollenidentifikation mit Israel und mit Christus, indem die Gemeinde „geliehene Worte“ Israels spricht und im Kontext der Liturgie christologisch deutet. Die Liturgie entfaltet so ein inklusives Gedächtnis, in dem Christus die Geschichte Israels für alle Völker öffnet.
Prof. Dr. Egbert Ballhorn
lehrt Exegese und Theologie des Alten Testaments an der TU Dortmund und ist Vorstandsvorsitzender des Kath. Bibelwerks e. V.