Der Beitrag untersucht die Darstellung des Petrus im Johannesevangelium. Gegenüber den synoptischen Evangelien relativiert das Johannesevangelium die Vorrangstellung des Petrus durch andere Figuren – etwa Marta und Maria von Magdala und in besonderer Weise durch den „Jünger, den Jesus liebte“. Dieser tritt als Garant der Jesusüberlieferung auf, während Petrus als allgemein anerkannte universale Integrationsfigur dargestellt ist, die in einer Brückenfunktion zwischen verschiedenen frühchristlichen Gruppierungen die Einheit garantiert. Entscheidend ist das Kriterium der Liebe: Nur insofern Petrus dieses Kriterium wahrer Jüngerschaft erfüllt, kommt ihm seine pastorale Autorität zu. So wird im vierten Evangelium Leitung als gemeinschaftlicher Liebesdienst herausgestellt.
Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber
ist Professorin für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholischen Privat-Universität Linz.