Der Beitrag analysiert das Petrusbild in den beiden neutestamentlichen Petrusbriefen und zeigt, wie der Apostel dort als idealisierte Zeugenfigur dargestellt wird. Während die Evangelien ein ambivalentes Bild mit Stärken und Schwächen zeichnen, betonen die Briefe vor allem Petrus’ Autorität als Verkünder, Hirte und Zeuge von Leiden, Auferstehung und Herrlichkeit Christi. Der Erste Petrusbrief präsentiert ihn als ermutigenden Leiter bedrängter Gemeinden, der Glauben, Hoffnung und Liebe stärkt, während der Zweite Petrusbrief ihn als interpretierenden Autoritätsträger und Mahner zur rechten Zukunftshoffnung zeigt. Trotz ihrer literarischen Überhöhung bleiben die Briefe theologisch bedeutsam, da sie Petrus als apostolischen Garanten der christlichen Botschaft und als Orientierung für die Kirche in Gegenwart und Zukunft profilieren.
Prof. Dr. Thomas Söding
war von 2008–2026 Professor für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum und ist Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen
Katholiken.