Der Beitrag versteht Petrus exemplarisch für Wesen und Realität der Kirche und fragt nach seiner Bedeutung für die Ökumene. Anhand neutestamentlicher Texte wird die Ambivalenz des Petrus als Identifikationsfigur herausgearbeitet, in der sich zentrale Spannungen kirchlicher Existenz spiegeln: zwischen Einheit und Vielfalt (im Verhältnis zu Paulus), Traditionstreue und Offenheit für neue Wege (Apg 10), Vertrauen und Angst (Mt 14), Bekenntnis und Fehlbarkeit (Mk 8) sowie Treue und Versagen (Verleugnung). Gerade diese Spannungen machen ihn ökumenisch fruchtbar, da sie die reale, nicht idealisierte Kirche sichtbar machen.
Entscheidend ist letztlich nicht institutionelle Überlegenheit, sondern die Liebe zu Christus (Joh 21). Petrus wird so zu einer Identifikationsfigur, an der die Kirche ihre eigene Existenz kritisch reflektieren und auf Einheit hin ausrichten kann.
Dr. Gerold Lehner
hat mit einer bibeltheologischen Arbeit promoviert und ist Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich.