Der Beitrag vergleicht die Vertonungen des biblischen Tu es Petrus (Mt 16,18–19) bei Giovanni Pierluigi da Palestrina und Lorenzo Perosi und zeigt, wie unterschiedliche kompositorische Mittel im Kontext ihrer Zeit spezifische ekklesiologische Deutungen hervorbringen: Während Palestrina Kirche als geordnete, stabile Einheit hörbar macht, erklingt bei Perosi das Prozesshafte einer Kirche auf dem Weg. So wird deutlich: Musik im Gottesdienst ist nicht nur dekorativer Zusatz: Musikalische Form hat selbst eine hermeneutische Funktion, sie kann Textbedeutung klanglich entfalten und erfahrbar machen.
MMag. Peter Peinstingl BA
ist Dirigent, Organist und Komponist, seit 2016 Stiftskapellmeister der Erzabtei St. Peter in Salzburg und künstlerischer Leiter der Johann-Michael-Haydn-Gesellschaft sowie Lehrer am Musikum Salzburg.